Vienna Tank Top Sew-Along, Teil 1

Hallo und willkommen zum ersten Teil des Sew-Alongs für das Vienna Tank Top. Heute geht es um alle vorbereitenden Arbeiten.

Stoffauswahl

Das Vienna Tank Top ist ein leichtes Sommertop, und daher auch für leichte Stoffe konzipiert. Für Passe und Bindeband ist Webstoff vorgesehen. Hier kann man alles nehmen wie Batist, Leinen, Blusenstoff, Chambray, Crepe etc. Es wird von durchsichtigen Stoffen abgeraten, da hier die Nähte in der Passe durchscheinen würden. Der Rest des Tops wird aus Jersey genäht. Hier sind ebenfalls leicht Single-Jerseystoffe am besten geeignet. Bei zu dicken oder festen Stoffen kann man Schwierigkeiten mit den Raffungen bekommen. Bei Version A werden die Belege in der vorderen Mitte nach außen gelegt und hier ist dann die linke Stoffseite zu sehen. Der Stoff sollte entsprechend ausgewählt werden.

Man kann das Top auch komplett aus Webstoff (nur empfohlen bis Körbchengröße C) oder komplett aus Jersey nähen. Hier muss man sich aber etwas genauer Gedanken zur Stoff- und zur Größenauswahl machen. Soll das Top komplett aus Webstoff genäht werden, sollte man beachten, dass ein Großteil der Weite des Tops im Brustbereich sich im Rückenteil befindet. Hier sollte man Vorder- und Rückenteil getrennt auszumessen (Achtung, die Nahtzugaben sind bereits enthalten!) und mit seinen Körpermaßen  vergleichen. Wenn Jersey für die Passe verwendet wird, sollte er stabil genug sein, um das ganze Top zu tragen.

Ich habe für Version A einen leichten Batist aus Bio-Baumwolle für die Passe und einen Bio-Single-Jersey für das Top gewählt. Version B nähe ich komplett aus einem Seidencrepe.

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Itch-to-Stitch Schnittmuster sind nur als pdf erhältlich, d.h. man kommt ums Ausdrucken und Zusammenkleben nicht herum. Aber es handelt sich hierbei um pdfs mit verschiedenen Ebenen, so dass man nicht alle Größen ausdrucken muss, sondern nur die gewünschten. Das macht das Schnittmuster auf jeden Fall übersichtlicher.

Größenauswahl

Bevor wir nun den Schnitt ausdrucken, schauen wir uns zuerst die Größentabelle an. Der Schnitt kommt in den US-Größen 00 bis 20. Das mag für uns Europäer zuerst verwirrend sein, aber letztlich ist es ganz egal, wie die einzelnen Größen benannt sind, denn die Auswahl der richtigen Größe erfolgt nach der Maßtabelle.

Masstabelle

Meine Maße sind 83, 70, 94. Damit liege ich zwischen den Größen 0 (Oberweite) und 4 (Hüfte). Da ich eine sehr kleine Körbchengröße habe, wähle ich für die Oberweite Größe 2, da es mir sonst in den Schultern zu eng wäre. Je nach Schnitt muss ich dann eine Anpassung für wenig Busen (SBA=small bust alteration) machen. Für das Vienna Tank Top brauche ich das nicht, da es kein eng anliegender Schnitt ist. Zur Überprüfung, ob die gewählte Größe die richtige ist, kann man noch einen Blick auf die Maße des fertigen Kleidungsstückes werfen:

MasseKleidung

Diese Tabelle zeigt, wie weit das Top an den unterschiedlichen Stellen ist. Man erfährt hier also etwas über die enthaltene Bewegungsweite. Da das Top nicht bis zur Hüfte geht, sondern zwischen Taille und Hüfte endet, ist hier das Maß für die “obere Hüfte” (high hip) angegeben, was der Saumweite entspricht. Man erkennt, dass das Top einiges an Weite hat. Für meine ausgewählte Größe sind dies 10 cm im Brustbereich und 24 cm in der Taille. 

Anders als bei manch anderen US-Schnittmustern, kann man sich gut auf diese Tabellen verlassen. Und wenn man erst einmal seine Größe gefunden hat, kann man sie auch für andere Itch-to-Stitch-Schnittmuster übernehmen.

Ausdrucken und Zusammenkleben

Nachdem wir unsere Größe gefunden haben, können wir diese ausdrucken. Dazu geht man im pdf links auf das Icon für die Ebenen und wählt die Größen aus, die man ausdrucken möchte:

Ebenen

Zu Anfang sind alle Größen angeklickt, ich habe bis auf die Größen 2 und 4, die ich ausdrucken möchte, alle anderen weggeklickt. Sehr praktisch ist auch, dass im Abschnitt “Anleitung zum Drucken” immer die Seitenzahlen für die Schnittteile angegeben sind, wenn man die Anleitung nicht mit ausdrucken möchte. Da braucht man dann nicht selber die Seiten zu zählen. In diesem Fall ist es Seite 18 – 30.

Beim Ausdrucken, wie bei allen pdfs, immer darauf achten, dass man “Tatsächliche Größe” oder 100% auswählt, damit die Skalierung stimmt. Zur Überprüfung gibt es ein kleines Testquadrat auf der ersten Seite. Sicherheitshalber sollte man diese Seite zuerst ausdrucken und das Quadrat ausmessen, bevor man alle Seiten druckt.

Ich lege mir die Seiten immer einmal in der richtigen Anordnung auf dem Boden aus, um mir einen Überblick zu verschaffen. Bei diesem relativ kleinen Schnittmuster reicht mein Boden gerade aus, bei größeren Schnitten muss ich die Seiten in mehreren Etappen auslegen.

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Die Seiten haben Zahlen als Wasserzeichen, was einem bei der Reihenfolge hilft. Außerdem gibt es am äußeren Rand eine dicke schwarze Markierung zur Orientierung. Ich klebe nie alle Seiten auf einmal zusammen. Das wäre mir am Ende dann viel zu unhandlich. Ich schneide vielmehr ein Schnittteil grob aus und klebe dieses dann zusammen. Hier habe ich mit der Passe angefangen, die über die Seiten 9, 10 und 13 geht.

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Für das Zusammenkleben gibt es die unterschiedlichsten Methoden. Für mich  hat es sich bewährt, eine Seite entlang der Markierung abzuschneiden und mit Tesafilm auf der benachbarten Seite festzukleben. Man kann die Seiten auch einfach umfalten (geht schneller), aber ich finde, das wird dann zu dick, vor allem an Kreuzungspunkten. Statt Tesafilm kann man auch Klebstoff verwenden.

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So arbeite ich mich dann weiter vor, bis alle Schnittteile zusammengeklebt sind. Mittlerweile finde ich, es hat etwas Meditatives, und man macht sich schon mal mit den einzelnen Schnittteilen vertraut.

Anpassen der Schnittteile

Bevor ich die Schnittteile exakt ausschneide, mache ich alle Änderungen, von denen ich jetzt schon weiß, dass ich sie benötigen werde. In meinem Fall ist es einmal eine Längenanpassung und zum anderen die Änderung von Größe 2 auf Größe 4 zwischen Taille und Saum. Ich fange mit der Längenänderung an. Im Schnitt sind dafür im Vorder- und Rückenteil Linien eingezeichnet. Ich schneide das Vorderteil entlang dieser Linie auseinander.

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Dann lege ich ein Stück Papier unter und klebe das untere Vorderteil fest. Ich will das Top um 3 cm verlängern, also zeichne ich parallel zu der Verlängern/Kürzen-Linie im Abstand von 3 cm eine Linie auf das Papier. Die vordere Mitte verlängere ich, damit ich weiß, wie ich das obere Vorderteil anlegen muss.

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Dann lege ich das obere Vorderteil entlang der gezeichneten Linien auf und klebe es fest. Als nächstes passe ich die Seitennaht an. Dabei nehme ich gleich die Änderung von Größe 2 auf Größe 4 vor.

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Das Rückenteil ändere ich auf dieselbe Art und Weise. Damit die Seitennaht bei Vorder- und Rückenteil identisch wird, nehme ich das Vorderteil als Vorlage. Die anderen Schnittteile sind von meiner Änderung nicht betroffen.

Für Version A benötigen wir alle Schnittteile, für Version B die Teile 1-3 und 5.

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Zuschneiden

Bevor ich Stoff zuschneide, geht er bei mir immer zuerst in die Waschmaschine. Da muss auch die Seide durch, diese allerdings im Handwaschprogramm mit Seidenwaschmittel.  Man vermeidet so einfach böse Überraschungen. Naturfaserstoffe laufen bekanntlich gerne ein, aber auch andere Stoffe können sich durch das Waschen verändern. Die goldene Regel lautet: Stoffe so vorbehandeln, wie später das fertige Kleidungsstück behandelt werden soll. Und bügeln natürlich nicht vergessen.

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Das Schnittmuster enthält bereits eine Nahtzugabe von 1 cm und eine Saumzugabe von 2 cm. Wer mit diesen Zugaben glücklich ist, kann einfach die Teile auflegen und den Stoff ausschneiden. Wer lieber mit der üblichen Zugabe von 1,5 cm näht, muss dann noch 0,5 cm hinzufügen.

Ich schneide am liebsten mit dem Rollschneider zu. Zum Beschweren des Schnittmusters habe ich mir riesige Unterlegscheiben aus dem Baumarkt gekauft, die halten das Papier an Ort und Stelle.

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Die Mitte sowie andere Markierungen am Rand markiere ich immer mit einem kleinen Schnips.

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Markierungen innerhalb des Schnittes markiere ich mit einem “Tailor’s tack”. Dazu steche ich zuerst mit einer Stecknadel durch das Papier, solange der Schnitt noch aufliegt. Dann stecke ich eine weitere Stecknadel unter dem Papier an die Stelle, an der ich mit der ersten durchgestochen habe. Jetzt kann ich das Papier abnehmen und die Stelle mit Heftfaden markieren.

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Gemusterte Stoffe

Bei Version B werden die Belege der vorderen Mitte nach innen gelegt. Hier kann man bei der Auswahl von gemustertem Stoff darauf achten, dass das Muster durch die Naht nicht unterbrochen wird. Das ist gar nicht so schwer. Zuerst muss schneidet man ein Vorderteil zu und markiert mit Heftfaden die komplette vordere Mitte. Dann kann man den Stoff entlang der Markierung umfalten und auf dem Stoff eine Stelle suchen, an der das Muster dann zusammenpasst.

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Wenn man genau hinsieht, sieht man in dem Bild oben entlang der Falte den Heftfaden. Ich stecke die Falte gut fest und lege an diese Falte nun die vordere Mitte vom Papierschnitt an und habe so die Platzierung für das zweite Vorderteil gefunden.

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Jetzt ist alles zugeschnitten, und beim nächsten Mal geht es weiter mit Nähen!

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Wenn etwas unklar ist, oder ich etwas genauer erklären soll, schreibt es einfach in die Kommentare oder schreibt mir eine email an sewingdreams(at)web(dot)de.

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